Gerechtes Führen: Wie sich ethisches und destruktives Führungsverhalten auf die Mitarbeitenden auswirkt
| Authors |
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| Publication date | 2020 |
| Host editors |
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| Book title | Fehlzeiten-Report 2020 |
| Book subtitle | Gerechtigkeit und Gesundheit |
| ISBN |
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| ISBN (electronic) |
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| Pages (from-to) | 165-175 |
| Publisher | Berlin: Springer |
| Organisations |
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| Abstract |
Führung beschreibt die bewusste und zielbezogene Einflussnahme auf das Verhalten von Menschen im Kontext von Arbeit und Organisation (Northouse 2018). Damit ist Führung eine der wichtigsten Beziehungen am Arbeitsplatz. Wie Führungskräfte kommunizieren, Aufgaben zuweisen, Entscheidungen treffen oder mit Konflikten umgehen hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Mitarbeitende ihren Arbeitsalltag erleben (Northouse 2018). Dementsprechend beschäftigt sich die Führungsforschung schon lange mit der Frage, was „gute“ Führung ausmacht. Die Frage nach der ethischen Dimension von Führung ist dabei erst in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend in den Fokus der Forschung gerückt (Ciulla 2005). Davor hatte man Fragen der Ethik entweder nicht als erfolgsrelevante Zielgröße in Unternehmen gesehen oder man pflegte eine „harmonische“ Sichtweise, die „erfolgreiche“ Führung – gleichsam per definitionem – mit moralisch guter Führung gleichsetzt (Kuhn und Weibler 2012). Allerdings findet man immer wieder Beispiele, bei denen moralisch bedenkliche oder verwerfliche Führungspraktiken sehr wohl zur Erreichung von Geschäftserfolgen führen können und in diesem Sinne „erfolgreich“ sind, insbesondere wenn Erfolg ausschließlich über kurzfristige Ergebnisse oder Gewinnmaximierung definiert ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, neben ethisch guter Führung auch die „dunkle“ Seite von Führung, d. h. moralisch verwerfliche Führungspraktiken, besser zu verstehen (Schyns und Schilling 2013). Eine besondere Relevanz erhält die Beschäftigung mit negativen und destruktiven Führungspraktiken, wenn man sich das Phänomen der sogenannten „ (negativity bias) vor Augen führt. In einem Artikel mit dem bezeichnenden Titel „Bad Is Stronger Than Good“ zitieren Baumeister et al. (2001) umfangreiche Studien, die zeigen, dass negative Ereignisse und Interaktionen stärkeren Einfluss auf Menschen haben als positive. Erklärt wird dies anhand evolutionspsychologischer Mechanismen: Um zu überleben, ist es für Organismen zunächst wichtiger, negative Informationen bzw. Bedrohungen zu erkennen und zu erinnern als positive Informationen zu verarbeiten. Als Folge dessen haben negative Informationen eine größere emotionale und motivationale Bedeutung. Angewendet auf den Führungskontext bedeutet dies: Destruktives Führungsverhalten hat einen weitaus stärkeren Einfluss auf die Mitarbeitenden als konstruktives Führungsverhalten und die daraus resultierenden emotionalen und motivationalen Folgen überwiegen in der Regel die positiven Effekte, die aus positiven Interaktionen im Arbeitsalltag resultieren (Schmid et al. 2018). Aufgrund dessen stellen wir in diesem Kapitel zunächst unterschiedliche Ausprägungen destruktiver Führung und deren Auswirkungen auf die Mitarbeitenden dar und diskutieren mögliche Ursachen. Anschließend widmen wir uns dem Thema der ethischen Führung, stellen ausgewählte Forschungserkenntnissen dazu vor und leiten zum Schluss Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Führungskräfte ab.
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| Document type | Chapter |
| Language | German |
| Published at | https://doi.org/10.1007/978-3-662-61524-9_10 |
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