Historische Holzkohlemeiler im Mittleren Baruther Urstromtal nordwestlich von Horstwalde

Open Access
Authors
Publication date 2023
Journal Heimatjahrbuch für den Landkreis Teltow-Fläming
Volume | Issue number 30
Pages (from-to) 74-77
Organisations
  • Faculty of Science (FNWI) - Institute for Biodiversity and Ecosystem Dynamics (IBED)
Abstract
Vier Bachelorstudenten der Universität von Amsterdam haben im April 2022 nordwestlich von Horstwalde unter Leitung des Verfassers eine Woche lang Reste von alten Holzkohlemeilern untersucht. Holzkohlemeiler sind Stellen wo früher Holzkohle in Rundmeiler produziert wurde. Dabei wurde zuerst eine ebene, um einige Dezimeter erhöhte Bodenfläche aus Sand geschaffen. Dann wurde Holz bis zu drei Meter aufgetürmt und oft einen Graben rund um diesen Dom ausgehoben, um den Einfluss von Regenwasser von Hangaufwärts und der Waldbrandgefahr entgegenzuwirken. Mit den Grassoden und Bodenmaterial aus dem Graben wurde das Holz abgedeckt. Angezündet wurden die Meiler meist über einen speziellen Schacht von oben. Wenn aus dem Holz nach ein bis drei Wochen schwelen Holzkohle geworden war, wurde das aufgetürmte Gebilde auseinandergerissen und die Holzkohle eingesammelt. Der Graben füllte sich dabei mit Holzkohleresten und rußigem Sand. Reste der künstlich erhöhten Bodenfläche mit Holzkohleresten werden ‚Relikte Holzkohlemeiler‘ (English: ‚Relict Charcoal Hearths‘ oder RCHs) genannt. Die Pechhütte westlich vom Ortsausgang Horstwalde dürfte neben Pech (Rohharz) auch Holzkohle geliefert haben. Holzkohle war zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert ein sehr gefragte Energiequelle. Der Bedarf an Holzkohle für ‚die Schmelze‘, die ca. 1,5 km westlich von Horstwalde gelegene Hochofen, und die Pottaschesiederei für die Glashütte der Fürsten zu Solms war groß zwischen 1750 – 1800. Mit Holzkohle konnte man höhere Brenntemperaturen erreichen als nur mit Holz und Holzkohle ist leichter zu transportieren. Mit Fuhrwerken über (Wald-)Wege oder mit Handkähnen über das Hammerfließ (um 1750 gegraben), konnten Rohstoffe herangefahren und Produkte abtransportiert werden. In die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in der Schmelze Raseneisenerz verarbeitet, das es im umgebenden Mittleren Baruther Urstromtal reichlich gab. Das dabei produzierte Eisen war qualitativ nicht sehr gut. Zur weiteren Bearbeitung des Eisens besaßen die Grafen zu Solms-Baruth zwei Hammerwerke: den Oberhammer in Paplitz und den Unterhammer bei Schönefeld. Die Hütte in Gottow wurde vermutlich bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch beliefert. Aber auch in Glashütten, Schmieden oder Ziegeleien wurde viel Holzkohle verwendet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Eisengewinnung in der Herrschaft Baruth aus Rentabilitätsgründen wieder eingestellt. Die alten Meilerstandorte zeichnen sich noch heute als kleine Erhebungen im Gelände ab, und sie verraten sich durch das verkohlte Holz untief im Sand. Auch im Digitalen Geländemodell mit einer Auflösung von 0,5m, wurden die RCHs entdeckt mit Hilfe einer sog. Schummerungskarte (Engl. ‚hillshade map‘). Es wurden insgesamt 44 mögliche RCHs auf dem DGM isoliert und bodenkundlich erforscht und davon 26 als RCHs im Gelände bestätigt. Ein weiteres Forschungsvorhaben besteht darin, die Erkennung von RCHs im DGM zu automatisieren.

In April 2022, four bachelor's students from the University of Amsterdam examined the remains of old charcoal kilns northwest of Horstwalde for a week under the direction of the author. Charcoal kilns are places where charcoal was previously produced in round kilns. First, a flat surface made of sand, raised by a few decimetres, was created. Wood was then piled up to three meters and a trench was often dug around this pile to counteract the influence of rainwater from upslope and the risk of forest fires. The wood was covered with the sod and soil material from the trench. The kilns were usually lit from above via a special shaft. When the wood had turned into charcoal after one to three weeks of smouldering, the piled-up structure was torn apart and the charcoal collected. The ditch filled with charcoal residue and sooty sand. Remains of the artificially raised ground surface with charcoal residue are called 'Relict Charcoal Hearths' or RCHs. The pitch furnace west of the Horstwalde exit may have supplied charcoal in addition to pitch (raw resin). Charcoal was a very popular source of energy between the 17th and 19th centuries. The need for charcoal for 'die Schmelze', the blast furnace located approx. 1.5 km west of Horstwalde, and the potash boiler for the glassworks of the Princes of Solms was great between 1750 and 1800. Higher firing temperatures could be achieved better with charcoal than with wood alone and charcoal is easier to transport. Raw materials could be brought in and products transported away with carts over (forest) paths or with barges over the Hammerfließ (dug around 1750). In the second half of the 18th century, the smelter processed iron ore, which was plentiful in the surrounding Central Baruth Ice-marginal Valley. The iron produced was not of very good quality. The Princes of Solms-Baruth owned two hammer mills for further processing of iron: the upper hammer in Paplitz and the lower hammer near Schönefeld. The hut in Gottow was probably also supplied until the middle of the 19th century. But a lot of charcoal was also used in glassworks, forges and brickworks. Towards the end of the 18th century, iron mining in the Baruth area was stopped for reasons of profitability. The old kiln sites still stand out today as small elevations in the terrain, and they are revealed by the charred wood in the soil. The RCHs were also discovered in the digital terrain model with a resolution of 0.5m using a so-called hillshade map. A total of 44 possible RCHs were isolated on the DTM and pedologically researched, and 26 of these were confirmed as RCHs in the field. A next research project is to automate the detection of RCHs in the DTM.
Document type Article
Language German
Other links https://www.teltow-flaeming.de/aktuelles-details/heimatjahrbuch-2023-erschienen
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