Beichte und Bann. Biomacht und die Rassifizierung der Anormalität Die Anormalen (1974/75)

Authors
Publication date 2020
Host editors
  • F. Vogelmann
Book title ,,Fragmente eines Willens zum Wissen"
Book subtitle Michel Foucaults Vorlesungen 1970-1984
ISBN
  • 9783662618202
ISBN (electronic)
  • 9783662618219
Series Philosophie & Kritik. Neue Beiträge zur politischen Philosophie und Kritischen Theorie
Pages (from-to) 87-101
Publisher Berlin: J.B. Metzler
Organisations
  • Faculty of Humanities (FGw) - Amsterdam Institute for Humanities Research (AIHR) - Amsterdam School for Cultural Analysis (ASCA)
Abstract
In seiner Vorlesung Die Anormalen analysiert Foucault die Formierung der bürgerlichen Kleinfamilie, als deren wesentlicher Katalysator er den Diskurs über die kindliche Masturbation herausarbeitet. Erst die von den Eltern bereitwillig exekutierte Medizinisierung der Masturbation etabliert demnach den Familienverbund als permanentes Überwachungsmilieu und erschließt so die Sexualität einem staatlich-ökonomischen Zugriff. Zugleich bringt dieser Diskurs ethisch-medizinische Vorstellungen in Umlauf, die als Kontrastfolie für die Konstruktion von Figuren der Anormalität fungieren, die unter die Zuständigkeit nicht mehr des juridischen, sondern des psychiatrischen Dispositivs fallen. In diesem Beitrag wird die These vertreten, dass Die Anormalen zwar einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Genealogie moderner Intimpraktiken und der von ihnen produzierten Ausschlüsse und Verwerfungen darstellt, dabei aber die Bedeutung des Kolonialismus und Rassismus bei der Entstehung der Biomacht ausblendet. Diese Kritik wird mittels einer Konfrontation zweier filmischer Geständnisszenen präsentiert, einer Szene aus Michael Hanekes Das weiße Band und einer aus Ava DuVernays When They See Us. Der Beitrag endet mit einer kurzen Überlegung zu den Konsequenzen aus Foucaults Theorie für ein nicht-faschistisches Leben.
Document type Chapter
Language German
Published at https://doi.org/10.1007/978-3-662-61821-9_6
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