Der Import des westlichen Identitätsmodells [Review of: K. El-Rouayheb (2005) Before homosexuality in the Arab-Islamic world, 1500-1800; J.A. Massad (2007) Desiring Arabs]

Authors
Publication date 2007
Journal INAMO: Berichte und Analysen zu Politik und Gesellschaft des Nahen und Mittleren Ostens
Volume | Issue number 52
Pages (from-to) 16-18
Organisations
  • Faculty of Humanities (FGw) - Amsterdam Institute for Humanities Research (AIHR) - Amsterdam School for Cultural Analysis (ASCA)
Abstract
«Diese grausame Sünde der Sodomie ist bei ihnen so völlig straflos, dass die Männer öffentlich prahlen über ihre ekelhaften Taten.» Man könnte vielleicht denken, dies seien die Worten eines arabischen Imams nach dem Besuch eines Schwulenviertels in Berlin oder Amsterdam. Es handelt sich aber um genau das Gegenteil: das Urteil eines Europäers über die arabisch-islamischen Welt. Sie wurden geschrieben von Joseph Pitts, der im 17.Jahrhundert etwa fünfzehn Jahren versklavt in Algerien verbrachte.
Auch im vergangenen Jahrhundert hatte die arabische Welt den Ruf, eine Freistätte der freien oder bezahlten homosexuellen Liebe zu sein: für europäische und amerikanische Homosexuellen waren die arabischen Länder bis in die sechziger Jahre ein Paradies der Toleranz im Vergleich zu ihren Heimatländern. Wie kann man dieses Bild der arabisch-islamischen Welt als ein Ort offen praktizierter homosexueller Liebe in Übereinstimmung bringen mit der verbreiteten Intoleranz beispielsweise im heutigen Ägypten oder im Iran.

Document type Book/Film/Article/Exhibition review
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